Gastbeitrag: Auf alternativer Einkaufstour

Konsum ist problematisch geworden, mitunter undurchsichtig. Fipronil in Eiern, Antibiotika im Fleisch – viele Verbraucher sind irritiert. Familien möchten sich gesund ernähren und dabei die Haushaltskasse nicht mehr als nötig strapazieren. Nachhaltig einkaufen – was heißt das, wo gibt es das und ist das bezahlbar?

Journalistin Carmen Monsees aus Bremervörde hat die Bio-Markthalle Moorrübe sowie den Bio-Schlachter „Cuxland pur“ und den Bio-Obsthof Schaeper besucht. Beide beliefern die Moorrübe. Wer weiß denn schon, wo sein Pfeffer wächst, las ich jüngst in einem Bio- Magazin. Ich nicht.

Viele Unternehmen entdecken plötzlich die Nachhaltigkeit für sich, werben für Regionalität. Was sie mitunter Herkunft nennen, ist oft der Standort, an dem das Produkt maschinell etikettiert wird. Lebensmittel begleiten uns vom ersten bis zum letzten Tag unseres Lebens, soviel ist klar. Doch fragen wir hundert Experten, was hochwertige und was minderwertige Lebensmittel sind, bekommen wir hundert verschiedene Antworten. Von der Informationsflut fühle ich mich mitunter erschlagen. Ich möchte erkennen, worauf es tatsächlich in meiner Ernährung ankommt. Was macht die echte Qualität eines Lebensmittels aus?Ich suche nach einer Alternative zum Discounter.

Die Inhaber Ariana Skuppe und Oliver Helvogt sind das Gesicht der Moorrübe. „Wer nachhaltig einkaufen will, achtet beim Einkauf neben regionaler und saisonaler Ware ebenfalls auf eine biologische Produktion, denn gerade Importprodukte sind durch lange Transportwege umweltschädlich und nicht nachhaltig.“

Auf 400 Quadratmetern finde ich ein Vollsortiment, alles für meinen täglichen Verbrauch, von Obst und Gemüse über Backwaren bis hin zur Kosmetik. Viele Produkte gibt es in verschiedenen Preiskategorien. Ich bin angenehm überrascht. Es passt auch für meinen Geldbeutel. Während ich stöbere, erfahre ich von Ariana Skuppe, „wir handeln 100 Prozent Bio.“ Dazu gehöre auch, dass regionale Produkte oberste Priorität haben, aber auch der weltweite Ökolandbau verdiene und benötige eine verantwortungsvolle Förderung, so die Mitinhaberin.

Fleisch und Wurst sind das Metier von Ernst Otto. Die Fleischermeister-Familie der Bio-Schlachterei „Cuxland pur“ in Hemmoor hat sich im Jahr 1996 entschieden, den Weg der Direktvermarktung zu gehen. Jeden Donnerstag steht ihr Verkaufswagen vor der Bio-Markthalle Moorrübe.

 „Bio wirst Du nicht von heut’ auf morgen“, erklärt Ernst Otto. „Der Weg bis zur Bio-Zertifizierung ist lang.“ Der Meister weiß aus   Erfahrung, dass der Bio-Bereich einer der am stärksten überwachten Lebensmittelbereiche mit den schärfsten Kontrollen sei.

Ein Beispiel: Die Fleischbeschau des Tierarztes koste ihn pro Bio-Tier 14,50 Euro. Dem gegenüber stünde die industrielle Fleischbeschau mit 1,20 Euro pro Tier. Er kenne von jedem Stück Fleisch den Lebenslauf, so Otto.

Bio-Schweine dürfen sieben Monate alt werden, bei industrieller Schlachtung höchstens 3,5 Monate. Das Bio-Huhn lebt mit seinen 90 Tagen drei Mal länger, als ein Huhn in Massentierhaltung. Getreide, das biologisch angebaut werde, spiele für das Bio-Futter eine wesentliche Rolle. Ob Schwein, ob Rind, ob Schaf, ob Huhn – jeder Bauer transportiere sein Tier selbst zum Schlachthof. „All diese Faktoren bestimmen den Verkaufspreis“, erklärt der Fleischermeister. Dass Bio eine Kostenfrage ist und nur Kunden mit gehobenem Einkommen vorbehalten ist, kann die Bio-Fleischer-Familie nicht bestätigen.

Müsse es denn jeden Tag Fleisch sein, fragt Otto. „Konsum ist aus dem Ruder gelaufen.“ Viele seien sich des Wertes von Lebensmitteln nicht mehr bewusst, ist der Fleischermeister überzeugt. Sein Lieblings-Beispiel: Auf den Luxus-Grill kommt das Billigfleisch aus Massentierhaltung.

Regional und Bio zusammen sei der Königsweg für nachhaltiges Einkaufen, meint Knut Schaeper, Gesellschafter und Geschäftsführer des Naturkost-Kontors Bremen. Wer bei regionalen Erzeugern einkaufe, der sorge dafür, dass die Wertschöpfung in der Region bleibe. „Das kommt unserem Lebensumfeld zugute“, sagt Schaeper, der auch Anteil an den Errungenschaften biologischer Forschungen zur Entwicklung des Öko-Obstbaus hat. Von Johanna Schaepers Bio-Obsthof in Geversdorf direkt an der Oste finden die Äpfel ihren Weg in die Moorrübe. „Ganz natürlich bekommen sie am Fluss Farbe und einen sehr frischen Geschmack, wozu sicherlich die gute, frische Meeresluft ihren Beitrag leistet“, meinen die Experten.

© Text: Carmen Monsees,
Bild: Ariana Skuppe

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